Ach du liebe ZEIT: Über die Linken und die Armen

Anna Mayr, Redakteurin der ZEIT, hat in der jüngsten Ausgabe (Nr. 2, 5. Januar, Seite 45) eine wüste Polemik gegen die Befürworter eines bedingungslosen Grundeinkommens vom Zaun gebrochen, die von Unterstellungen, Vorurteilen und Diffamierungen nur so trieft. Die erste Unterstellung: Wer gegen das bedingungslose Grundeinkommen sei, von dem würden die Leute denken, „dass man auch Katzenbabys ertränken oder Obdachlose anzünden“ würde und der müsse „allermindestens ein bisschen dumm sein“ (das kann man für ZEIT-Leser ja schon mal grundsätzlich ausschließen, gell?). Nachdem die Autorin also rhetorisch geschickt klargestellt hat, dass sie als bekennende Gegnerin des bedingungslosen Grundeinkommens weder Katzenbabys ertränkt noch Obdachlose anzündet (was soll daran eigentlich so schlimm sein?) und erst recht nicht dumm ist, knöpft sie sich die Befürworter desselben vor. Das sind einmal die Linken oder wahlweise die bürgerliche Boheme oder die „Bourgeois-Boheme Mittelschicht“ (Huch! Meint die etwa mich?), von denen nämlich die meisten „die Armen und ihre Belange von Grund auf abstoßend finden. Sie wollen das Grundeinkommen nicht für Hartz-IV-Empfängerinnen, sondern für ihre Künstlerfreunde“. Und weiter heißt es: „Diese Leute“ – gemeint sind, um im Jargon von Mayr zu bleiben, „die Petitionsunterzeichner und Weltverbesserinnen“ – „Diese Leute ekeln sich vor den armen Kindern, denn die stinken und sagen Schimpfworte.“ Du liebe ZEIT, Frau Mayr, wer hat Ihnen denn diesen Schwachsinn in die Feder diktiert?

Mal ganz egal, wie man selbst zum Grundeinkommens steht – ob man zu den Katzenbaby-Ertränkern und Obdachlosenanzündern gehört oder zu den Linken, die die Armen abstoßend finden und sich vor stinkenden Kindern ekeln -, eine sachliche Debatte um das Für und Wider hätte die Idee des Grundeinkommens auch im Feuilleton der ZEIT verdient.

Mach ich daraus jetzt einen Leserbrief oder nicht?

Nachtrag am 22.01.2021: Hab ich gemacht. Wurde aber nicht in der Printausgabe gedruckt, sondern online veröffentlicht unter: Der Blog der Leser


2 Kommentare on “Ach du liebe ZEIT: Über die Linken und die Armen”

  1. Gertrud Uhl sagt:

    Mach ihn bitte! Mich hatte der Artikel auch ratlos zurückgelassen!

  2. achim sagt:

    Vielen Dank, Jürgen! Bitte genau so abschicken. Dann kauf ich mir auch mal wieder das Wellness-Erzeugnis aus Hamburg.


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